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"Kotel" - Das Liebesfenster und der einsame Beter an der Klagemauer
Eine Mauer besonderer Art steht auf dem Zion. Einige Jahre ist es her. Auf dem Zion, dem Tempelberg in Jerusalem steht Johannes Paul II. Es ist der Platz, wo im 7. Jahrhundert christlich-byzantinische Architekten im Auftrag der neuen muslimischen Herrscher den Felsendom über der Stelle - und anstelle - des ersten und zweiten jüdischen Tempels des Gottes Abrahams, Isaaks, Jakobs und des Gottes Jesu errichteten, nach den Maßangaben des himmlischen Jerusalem aus der Apokalypse des Johannes. Es ist der vielleicht schönste und gewiss der brisanteste Platz des Planeten: das drittwichtigste Heiligtum der Muslime mitten in Jerusalem.
Die Sonne blendet und spiegelt sich in der Goldkuppel. Gerade einen Steinwurf unter dem Plateau, steht sie ehern dort: die Klagemauer der Juden. Der letzte Rest des Tempels seit der Zerstörung durch die Römer. Der heilige Rest, der den Juden seit zweitausend Jahren von ihrem Allerheiligsten geblieben ist.
"Kotel" wird sie auf Hebräisch genannt, nach dem Hohenlied. Kotel meint das Fenster, durch das der Liebhaber auf seine Geliebte schaut. Vor der Mauer wird jeden Tag von den Gläubigen Gottes Gegenwart verehrt. In den Ritzen des Mauerwerks sind die auf Zetteln geschriebenen Gebete verborgen und dabei nicht vergessen. Hier schaut er, Gott, wie nirgendwo sonst auf sein zurückgekehrtes Volk.
Johannes Paul verharrt kurz davor und schiebt eine Notiz in eine der Ritzen des Mauerwerks. Ein Gebet: "Wir bitten um Vergebung für alle Übel, die wir dem Volk des Bundes angetan haben. Johannes Paulus II. 26. März 2000."
Text: Lars Hillebold, Oedelsheim

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