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Adventszeit
Das neue Kirchenjahr beginnt mit einem ruhigen Vorspiel: der Wartezeit des Advents. Als Christen erwarten wir das Ende dieser Welt und die Ankunft des Reiches Gottes. Darum setzt der Advent eigentlich die ernsten Zukunftsthemen fort, die auch die letzten Sonntage des Kirchenjahres bestimmt haben.
Aber die Adventszeit ist auch eine Art Drehtür zwischen Vergangenheit und Gegenwart: Sie lässt unser Warten auf die Wiederkehr Christi verschmelzen mit dem biblischen Warten auf den Heilsbringer vor 2000 Jahren. So wird der Advent auch zu einer Zeit erinnernder Vorbereitung auf die Geburt Jesu, auf Weihnachten.

Abenteuer des Wartens
Advent hat etwas mit adventure, mit Abenteuer zu tun. Ein Abenteuer ist keine Pauschalreise, deren Leistungsmerkmale man einklagen kann. Ein Abenteurer bricht auf, ohne genau zu wissen, wohin. Seine Sicherheit ist nur die einfältige Zuversicht, dass er das, was da draußen auf ihn wartet, bestehen wird.
Nun ist der feuchtkalte Advent nicht die ideale Zeit, um auf große Fahrt zu gehen. Und das Abenteuer des Advents ist darum ein Aufbruch nach innen. Nicht wir bewegen uns, sondern Gott kommt auf uns zu. Und wir machen uns innerlich bereit, erwarten ihn.
In unserer schnelllebigen Instantkultur gilt das Warten nicht gerade als Tugend. Wir wollen alles immer am besten gleich. Wartezeiten machen uns nur nervös. Warten ist aber nur verlorene Zeit, wenn wir genau wissen, was geschehen soll. Warten kann eine aufregende und sehr lebendige Zeit sein, wenn wir nicht genau wissen, was auf uns zukommt oder in uns aufbrechen will. Wenn wir unsere Achtsamkeit sammeln, dem Leben entgegenzuspüren, dann wird die Wartezeit des Advents ein echtes Abenteuer.

Brauchtum: Stille Zeit und Kinderspiel
Das vorweihnachtliche Brauchtum, das z.B. am Nikolaustag (6.12.) vielfältige Gelegenheiten zum fröhlichen Genuss bietet, war ursprünglich ein Versuch, den dunklen Advent für Kinder als Zeit froher Erwartung zu gestalten. Insbesondere durch das Schenken sollte die freudige, aber auch geheimnisvolle Botschaft des Weihnachtsfestes auf elementare Weise erfahrbar gemacht werden.
Indem diese Bräuche von Erwachsenen vereinnahmt werden (Bescherung bei Betriebsfeiern), geraten sie zwangsläufig zur satirischen Farce. Die Erwachsenen haben einen tieferen Gewinn von diesen Bräuchen, wenn sie sich tatsächlich der Aufgabe annehmen, solche Feiern phantasie- und liebevoll für Kinder zu gestalten.
Für Erwachsene gewinnt der Advent auch an Bedeutung, wenn sie ihn als stille Zeit wiederentdecken. Eine Hilfe dabei kann der alternative Adventskalender "Der andere Advent" sein.

Brauchtum: Adventskalender
Der Adventskalender richtet sich nicht nach dem Kirchenjahr, sondern setzt mit dem 1.Dezember ein; aber in jedem Kläppchen des Kalenders lebt das alte Adventssymbol der Tür fort.
Adventskalender entstanden zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus pädagogischen Gründen. Man wollte Kindern die Wartezeit dadurch erleichtern, dass man ihnen jeden Tag eine Kleinigkeit zu entdecken gab. Verborgenes zu öffnen, ist ein spannendes Spiel; aber man muss erst mal lernen, die Spannung auszuhalten. Nicht alle Türen auf einmal aufreißen, sondern die Lust an der Verzögerung entdecken. So führt der Kalender auf spielerische Weise ein in das adventliche Prinzip des "schon jetzt und noch nicht".

Brauchtum: Der Adventskranz
Schon immer haben sich Menschen wintertags grüne Zweige ins Haus geholt, um in der kalten, todesstarren Jahreszeit ein Zeichen des Lebens vor Augen haben. Vor allem die Türen wurden mit Tannengrün und Mistelzweigen behängt; so wollte man notbringende Kräfte des Winters vom Eindringen in die Häuser abhalten.
Im Adventskranz verbindet sich die Natursymbolik der Grünkraft mit der Lichtsymbolik des Christentums. Als Erfinder des Adventskranzes gilt Johann Hinrich Wichern, einer der Wegbereiter eines sozial engagierten Christentums im 19. Jahrhundert.
In dem von ihm gegründeten "Rauhen Haus", einem Asyl für Jugendliche, hielt Wichern seit 1839 im Advent sogenannte "Kerzenandachten". Dabei wurde auf einem großen Holzreifen jeden Abend eine neue Kerze entzündet, so dass am Weihnachtsfest der Saal von einem strahlenden Lichterkranz erhellt wurde. Etwa seit 1860 ging man dazu über, den Reifen mit Tannenreisern zu umwickeln. Von da ab begann sich der Brauch in der auf vier Kerzen beschränkten Form allmählich auszubreiten.
Text: Christian Trappe, Lippoldsberg

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