Gottsbüren - Kirchenraum

Innenansicht der Wallfahrtskirche Gottsbüren
Das Bauwerk
So sehr das Gebäude von außen den Eindruck erweckt, als sei es als Ganzes geplant und erstellt worden, so finden sich doch an der Fassade wie im Innern deutliche Anhaltspunkte, die für zwei Hauptbauperioden neben späteren Ergänzungen sprechen:
- den Bau der Kapelle, der 1331 geplant und wohl anschließend gleich ausgeführt wurde
- die Erweiterung derselben zur 3-schiffigen Halle mit dem Emporenbau im Westen

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Turm | |
Über diesem wurde im 18. Jahrhundert die beiden mit Schiefer verkleideten Fachwerkgeschosse gerichtet, die seitdem eine achteckige Turmhaube tragen. Als Ergänzung des 19. Jahrhunderts sind dann der Umbau der Sakristei an der Nordseite des Chores und ebendort ein rundes Treppentürmchen zu erkennen.
Der Eindruck der Einheit ist gegeben durch die bei allen Bauabschnitten gleiche Wandgliederung mit nur wenig unterschiedlichen Maßwerkfenstern und fast gleichen Strebepfeilerformen neben der Verwendung von Werksteinen an den Ecken und Gewänden, die das kräftige Hausteinmauerwerk angenehm unterteilen und begrenzen.
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| | Treppentürmchen | |
Allein das Treppentürmchen wurde in reiner Quaderausführung dazu gefügt und wirkt beigestellt. Das Sockelgesims (als ausladend tragende Hohlkehle unter schmal vorstehender Schrägleiste) ist einheitlich umlaufend. Es stuft an der Ost- und Westseite ab, um den Höhenunterschied des Baugrundes auszugleichen.
Die Strebepfeiler jedoch weisen nach, dass zwei Gruppen von Bauhandwerkern die Ausführung in Händen hatten:
Während Steinmetzzeichen am heutigen Chor gänzlich fehlen, befinden sich an den Pfeilern der Halle um am Massivgeschoss des Turmes überall an 20 verschiedene Markierungen, die die Mitarbeit vieler Steinmetzgehilfen beweisen. Hier sind also zwei Bauhütten tätig gewesen.

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Kreuzrippeneinwölbung | |
Doch erst der Innenraum zeigt deutlicher, dass der heutige Chorraum entweder als die zuerst errichtete Kapelle oder als ein Teil derselben erkannt werden darf. Er ist aus zwei nahezu quadratischen Jochen mit Kreuzrippeneinwölbung gebildet, hat einen geraden Abschluss mit dreigeteiltem hohen Mittelfenster in der Ostwand, zwei gleich hohe Fenster in der Südwand und einen Durchgang zur Sakristei im Norden, dem gegenüber eine breite Nische in die Wand eingelassen ist mit gedoppelter Hohlkehle am Gewände.
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| | Laubkapitell | |
Die Gewölbe sind von zierlichen Konsolen in Türhöhe abgefangen, auf denen Dienste mit Laubkapitellen die birnstabförmigen Rippen tragen. Ganz die gleichen Kapitelle und Begleitformen finden wir wieder im Südschiff der Altstädter Kirche in Hofgeismar, deren Umbau aus einer romanischen Basilika zur Halle westfälischer Prägung im Mittelschiff wie auch mit dem südlichen Seitenschiff laut Inschrift 1330 abgeschlossen war.
An der ganzen Südfassade findet sich auch hier kein einziges Steinhauerzeichen. Die hier angesetzte Bauhütte wurde gerade frei, als man sie in Hundesburen (1331) dringend brauchte. Diese Steinmetzen und ihre Bauführung errichteten also die Gottsbürener Kapelle, von der wir nicht wissen, ob sie ursprünglich um ein oder zwei Joche nach Westen hin verlängert war. Viele wohl aus einem älteren Bau stammende ungezeichnete Werksteine lassen darauf schließen.

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Portal | |
Das Gleiche gilt für die beiden in Birnstabformen abgetretenen Portale, die dem Altbau zuzuweisen sind. Denn sie wiederholen die Formen des Hofgeismarer Südeingangs in schlichterer Ausführung. Auch der gerade Abschluss des Chorteils lässt den Zusammenhang mit dortigen Bauten vermuten.
Wann nun aber der Aus- und Umbau unserer Wallfahrtskapelle zu der 3-schiffigen Hallenkirche erfolgte, ist nicht überliefert. Wir können hier nur Vermutungen anstellen. Mit der Jahrhundertwende muss er längst vollzogen gewesen sein, denn das zunächst weithin ausstrahlende Hoffnungsbild von Gottsbüren verblasst schon nach 50-jährigem Wirken, so dass um 1380 wohl kaum noch eine räumliche Erweiterung für nötig befunden werden konnte.
Andererseits kann er nicht vor dem Jahre 1326 angesetzt werden. Dazu verweisen die Hohlkehl- und Teile der Maßwerkformen auf spätere Datierung. Von dem Jahr an aber hat das Kloster Lippoldsberg enge Beziehungen zur Stadt Göttingen. Dort ist man gerade mit dem Bau der in großem Ausmaßen erstellten Dominikanerkirche fertig geworden und in der Planung weiterer Kirchen mit ähnlichen Formgebungen. Aus Göttingen jedenfalls kommt wohl der achteckige Pfeiler mit dem Rosettenkranz am Kämpfergesims, der der neuen Halle beherrschend die Prägung gibt.
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| | Kapelle | |
Das Wallfahrtsziel, die Kapelle, konnte umgebaut werden, ohne dass Gottesdienst und Andacht gestört wurden. Man wird wohl zwischen Altbau und Baustelle eine Behelfswand hochgezogen haben, mit der man einen würdigen Raum mit angelehnter Sakristei erhielt, der den Andrang der Gläubigen vorübergehend aufzunehmen vermochte. Das heute vermauerte, in Birnstabformen abgetreppte Portal an der Kapellennordwand und ein anzunehmender Eingang in die Sakristei ermöglichten Zutritt und Ausgang.
Mit diesem Umbau wurde die bis dahin einschiffige Kapelle zu der nun 3-schiffigen Hallenkirche eigenartiger Raumwirkung verwandelt. Man erweiterte die beiden Westjoche nach Norden und Süden hin durch zwei Seitenschiffe in halber Breite. Und während man die Gewölbe des Mittelschiffs in der gleichen Höhe wie die der Kapelle ausführte (12,5 m), ließ man die der Seitenschiffe zwar steiler aufsteigen, aber in 10 m Höhe ihre Schlusssteine erreichen.

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Nonnenempore | |
Nach Westen hin schloss man das Gebäude mit der räumlich in das Mittelschiff einbezogenen Nonnenempore ab. Sie lehnt sich wie ein Westchor hinter besonders betontem Triumphbogen als schmalerer Raum an das Hauptgebäude an, die Gesamtlänge um ein auch in der Tiefe verkürztes Joch erweiternd.
Die Profilierung des Triumphbogens entspricht der der Scheidbögen, die ihre Formgebung von den Achteckpfeilern erhalten. Die Derbheit dieser recht rustikal wirkenden Bogenform ist im Westen überraschend angenehm gemildert durch die reich dekorierten Kapitelle und Kämpferprofile, die den auffälligen Breitenunterschied zwischen den Bögen und Diensten überzeugend ausgleichen.
Weniger gelungen ist das Abfangen der Arkaden an der Chorseite, wo die Kapitelle und Kämpferplatten zu einer sechsfach gekehlten Trichterform zusammengezogen wurden und, gänzlich ohne Dekor, die sowieso hier nicht ganz in der Fügung geglückte Nahtstelle beider Raumteile noch bemerkbar machen.
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| | Südschiff | |
In der Halle haben die Rippen Hohlkehlform. Die des südlichen Seitenschiffs werden von Kopfkonsolen bzw. Kapitellen mit figürlichem Schmuck abgestützt. Im nördlichen Seitenschiff gehen die Dienste ohne Zwischengliederung in die Rippen und Schildbögen über.
Von der ursprünglichen Steinempore sind nur drei halbkreisförmigen Schildbögen und neben dem Gurtbogenansatz eine Konsole erhalten, die darauf schließen lässt, dass auch das Untergeschoss mit einem Kreuzrippengewölbe überspannt war.
Um die Mitte des 18. Jahrhunderts wird hier eine Orgelempore errichtet, die mit ihrem ornamentierten Quergebälk auf Holzsäulen ruht und, beidseitig abgeschrägt, ins Schiff vorgezogen ist. Darauf steht die Orgel mit fünftürmigem Prospekt mit Rokoko-Ornamentik in einfacher Sägeschnitttechnik (Hersteller: Stephan Heeren, um 1755). Diese Orgel wurde 2004 aufwendig renoviert und die ursprüngliche Optik wieder hergestellt.

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Altar | |
Bei den Erneuerungsarbeiten zu Anfang der sechziger Jahre wurde der neuzeitliche Tischaltar auf den ursprünglichen Platz zurückgestellt. Das Ostjoch des Chorraumes erhöhte man deshalb um zwei weitere Stufen. Auch die hohe Kanzel wurde aus dem Schiff entfernt und durch eine schlichte Ausführung nahe dem Sakristeieingang ersetzt. Die in das zweite Chorjoch hineingenommenen Bankreihen lassen in einer heutigen Nutzungsweise den einstigen Kapellencharakter wieder deutlich werden.
Die westliche Pforte wurde in ein Fenster verwandelt, und schließlich die farbige Ausgestaltung des Gesamtraumes so gehalten, dass sich die wieder freigelegten Malereien der zweiten Bauepoche (wohl um die Mitte des 14. Jahrhunderts anzusetzen) und die der späteren Ausstattungsverwandlung (Anfang 15. Jahrhundert) dem Gotteshaus unaufdringlich einfügen konnten, das nun wieder zu einem einheitlichen Raumgefüge zusammengewachsen ist.

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