Wallfahrtskirche Gottsbüren

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Gottsbüren - Kirchenraum

Der 'Kirchendackel'
Der "Kirchendackel"

Die Ausstattung der Wallfahrtskirche

Von der ursprünglichen Ausstattung haben sich nur die im Bau fest verankerten bildhauerischen Zutaten an den unterschiedlich behandelten Kapitellen und Konsolen wie auch wandfüllende Fresken und spätere Übermalungen erhalten. Zwei der figürlichen Darstellungen an den Kapitellen bilden jeweils eine Gruppe:

Im südlichen Seitenschiff die Verkündigung und an der Ostwand weltliche Zuschauer. Bemerkenswert und aufschlussreich ist die Gruppe unter der Gurtrippe, die die Öffnung der ehemaligen Nonnenempore zum Schiff überspannt: Christus erscheint über einer Wolke und zeigt seine Wundmale. Ihm gegenüber die anbetende Priorin, mit dem Almucium bekleidet (Gewand zur Kennzeichnung der Abtwürde). Am Kämpferprofil darüber, eine dreifach gegliederte plattdeutsche Inschrift, die mit entsprechender Bildsymbolik das menschliche Schicksal deutet:

Dat was ek (dem Tode überantwortet), dat ek ben (in eigener Hilflosigkeit zu kindlicher Gläubigkeit aufgerufen), ek ben de ek ben (Jesus Christus), alpha et omega (Anfang und Ende).

Spott
Spott

Weitere Kämpferprofile mit Köpfchen, Laubkranz- und Rosettendekor, an den Pfeilern mit merkwürdiger Gruppe: Ergebenheit und Spott.

Ergebenheit
Ergebenheit

Das achtkantige Weihwasserbecken von der Pforte der Nonnenempore, heute als Beckenteil zur Aufnahme der Taufschale verwendet, trägt die Signatur des begabten Bildners. Das romanische Palmettenkapitell (jetzt auf den Kopf gestellt, als Fuß dem Taufstein dienend) entstammt der Basilika der Hofgeismarer Altstadtgemeinde.

Außer dem geringen Rest einer Schweißtuchdarstellung hat sich im ursprünglichen Kapellenteil von einer Ausmalung nichts erhalten. Die Wandmalereien im Schiff entstammen zwei zeitlich auseinanderliegenden Perioden: die al fresco (in den frischen Putz) gemalten, mit dem Fertigwerden des Baues gleichzeitig aufgebrachten Bilder und, teilweise, die ersteren deckend, die wohl nach der Wende des 15. Jahrhunderts anzusetzenden wandfüllenden Übermalungen mit kaseingebundenen Farben.

Hl. Margareta
Hl. Margareta

Zu der ersten Gruppe gehören die Nothelferdarstellungen der Heiligen Margareta, des Christophorus mit dem kahlen Baum, die vollständig erhalten geblieben sind, und vielleicht Bilder einer Darstellung der Eustachiuslegende und der Heiligen Katharina, deren rote Rahmungen unter den Übermalungen teilweise zu sehen sind.

Hl. Christophorus
Hl. Christophorus

Zu den späteren Arbeiten sind die wandfüllende Kreuzigung an der Stirnseite des südlichen Seitenschiffes zu rechnen, wie auch der Christophorus mit dem grünenden Baum, die weitaus dynamischer in der Linienkomposition und anspruchsvoller in der Aufteilung der Bildfläche sind.

Von gleicher Hand wird auch die Legende von der Auffindung und Verehrung der Gottsbürener geheiligten Hostie gemalt sein, die sich leider nur bruchstückhaft erhalten hat. Sie lässt aber doch erkennen, dass man hier eine mit fünf Blutstropfen getränkte Hostie aufbewahrte und damit die Gläubigen beeinflusste. Sie wird in der Bilderfolge mehrfach deutlich sichtbar.

Es ist anzunehmen, dass diese Wandbilder aus der Zeit stammen, in der das bereits verblassende Wundergeschehen zu neuer Gegenwartswirkung aufgefrischt werden musste, nachdem die hier zur Macht drängende hessische Herrschaft besonderes Interesse daran bekundete.

[ Baugeschichte | Bauwerk | Ausstattung ]

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